ZENTRUM FÜR SOLARMARKTFORSCHUNG

Noch höhere Energiepreise schaden selbst der Umweltbranche

1700 Grad Celsius sind erforderlich. Es ist ein energieintensiver Produktionsprozess. Für das Halbmetall Silizium gilt ähnliches, wie für Stahl und Aluminium. Deutlicher jedoch als bei Metallverarbeitung und traditioneller Industrie werden bei Silizium die Folgen hoher Strompreise offenbar. Betroffen sind Wafer, Solarzellen und Solarmodule für die Photovoltaik-Industrie. Vollzieht sich die Abwanderung von Gießereien, Schmieden, von Reifenherstellung und Papierproduktion aus Deutschland seit Jahrzehnten, so geht die Verlagerung der Produktionsbasis für die Nutzung der Sonnenenergie gegenwärtig im Zeitraffertempo vonstatten. Kooperationen und die gemeinsame Produktion mit chinesischen Partnern wie bei den Solarunternehmen Bosch oder Schott Solar oder die Auftragsfertigung in Malaysia wie bei dem Produzenten von Solarzellen Q-Cells bestimmen zunehmend die Unternehmensstrategien. Deutschlands größter Silizium-Hersteller Wacker baut trotz guter Fördermöglichkeiten sein nächstes Werk nicht in Deutschland, sondern in den USA.

Vom globalen Standortwettbewerb profitiert China am meisten. Doch es sind nicht Lohnkosten und auch nicht der Absatzmarkt, sondern es sind die günstigen Energiekosten, mehrheitlich Strom aus Kohlekraftwerken, die China zum international wettbewerbsfähigsten Standort machen. Der Zubau an neuen Solaranlagen in 2010 ist ein eindrucksvolles Ergebnis der deutschen Umweltpolitik, doch dieser basiert auf den Erfolgen asiatischer Exporteure. So stand China für 47 % der letztes Jahr in Deutschland verbauten Solarzellen und Module. Chinesische Solarunternehmen konnten ihre Exporte nach Deutschland innerhalb eines Jahres verdoppeln und in den letzten 5 Jahren verachtfachen. Noch ist von der Abwanderung der deutschen Fertigung wenig spürbar, doch erkennbar ist schon jetzt, dass die deutsche PV-Industrie vom Wachstum auf dem deutschen Heimatmarkt, dem weltweitgrößten Photovoltaik-Markt, immer weniger profitiert. Ein zunehmender Teil der deutschen Solarhändler etikettiert chinesische Fertigmodule lediglich nur um.

Wie schon bei Stahl, bei Reifen und bei Papier importiert Deutschland auch im Solarsektor zunehmend Produkte, deren Herstellung - aufgrund hoher Energiekosten - am deutschen Standort zu teuer ist. Da die Erzeugnisse, aus energieintensiver Produktion jedoch weiter benötigt werden, wird Umweltverschmutzung und Energieaufwand nur „ausgelagert“.

Wolfgang Hummel, ZSF, Zentrum für Solarmarktforschung, Mai 2011